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Blutegel

BlutegeltherapieDie Blutegeltherapie ist eine der ältesten Therapiemethoden der überlieferten Medizingeschichte. Sie entstammt der indischen Medizin und wurde bereits 100-600 v.Chr. praktiziert. Der ursprüng- liche Therapieansatz lag im Aderlass durch die Nachblutung nach dem Ansetzen der Egel. Wobei in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Schwerpunkte für den Einsatz der Egel galten. (In der traditionellen chinesischen Medizin stand das Ausleiten von Fülle-Zuständen durch Einfluss auf Jin-  Ye, die Körpersäfte, im Vordergrund).

Im Zusammenhang mit der Entdeckung der Bakterien als Krankheitserreger und der fast vollständigen Ausrottung der heimischen Blutegel (durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, aber auch durch übermäßiges Nutzen der Egel in der Therapie) in Mitteleuropa um 1850 geriet die Blutegeltherapie in Vergessenheit. Auch die Entdeckung einer blutgerinnungshemmenden Substanz im Speichel des Blutegels (1884 durch J.B. Haycrafts) verhalf der Egeltherapie nur zu kurzem Aufschwung.

Um 1903 isolierte und entschlüsselte man die Substanz und taufte den Gerinnungshemmer Hirudin. Somit war ein rational erklärbares Wirkungsprinzip geschaffen.

Der 1. Weltkrieg begrub die Neuentdeckung unter seinen Trümmern. Und so vergaß man um den Nutzen der Blutegeltherapie, woran Bottenberg 1935 erinnert. Seine Fallstudien beweisen die Wirksamkeit der Blutegeltherapie, aber 2. Weltkrieg und die Entdeckung verschiedener schmerzlindernd wirkender Medikamente führen endgültig zum Verschwinden der Blutegel in der Schmerztherapie.

Erst als Blutegel um 1987 vermehrt in der plastischen und rekonstruktiven Medizin eingesetzt werden (damals gab es einen Medienrummel um einen kleinen Jungen, dessen transplantiertes Ohr nur durch Einsatz der Egel wieder anwuchs) erreichen sie auch ihre Popularität unter der Bevölkerung wieder. Und Therapeuten erinnern sich der altbekannten Indikationen...

Heute ist die Wirksamkeit der Blutegeltherapie für bestimmte Indikationen wissenschaftlich nachgewiesen. Trotz der nachhaltigen Vorurteile und der üblen Nachrede der Scharlatanerie wird die Blutegeltherapie auch in der Tierbehandlung heute immer erfolgreicher eingesetzt.

Indikationen und Kontraindikationen

In der Veterinärmedizin findet der Blutegel erst seit wenigen Jahren seinen Einsatz. Im Grunde gibt es keinen Unterschied in den Einsatzgebieten bei Tier oder Mensch. Interessant sind vor allem die Studien aus der Humanmedizin um den Wirkerfolg zu verdeutlichen. So wurde beim Einsatz von 4-6 Egeln zur Behandlung einer Gonarthrose bei 80 % der Patienten eine Schmerzreduktion um ca. 60 % erzielt, die über 3 Monate anhielt und eine Reduktion der Schmerzmedikation um 45 % ohne Verschlechterung der Symptomatik ermöglichte.

Indikationen sind:

  • Rheuma,
  • Thrombosen,
  • Phlebitis,
  • Arthrose,
  • Arthritis (akut und chronisch),
  • Discopathien, Cauda Equina Kompressionssyndrom,
  • Hämathome, Ödeme,
  • Sehnen-, Sehnenscheidenentzündungen,
  • Thrombophlebitis,
  • Durchblutungsstörungen nach Gewebetransplantation.

Kontraindiziert ist die Anwendung bei:

  • Blutarmut,
  • Neigung zu Blutungen,
  • Einnahme von blutgerinnungshemmenden Substanzen,
  • Infektionskrankheiten, Fieber,
  • Wundheilungsstörungen,
  • Tumoren,starker Allergieneigung und spezielle Allergien gegen Eiweiß oder
  • gegen den Speichel des Blutegels

Wirkmechanismus

Der Erfolg der Blutegeltherapie liegt in der ausleitenden Wirkung des Aderlasses im unmittelbarem Zusammenhang mit den Wirkstoffen im eingeleiteten Speichel. Der Blutegelspeichel (Saliva) löst z.B. durch den gerinnungshemmenden Effekt des Hirudin Thromben auf, die dann durch Absaugen und Nachblutung abgebaut werden. Hauptwirkungen des Speichels sind Entzüdungshemmung und damit Schmerzlinderung.

Beim Saugvorgang wird ständig Saliva in die Wunde abgegeben. Schon während sich der Egel mit seinen Mercedesstern-förmig angeordneten Zahnreihen in die Haut „sägt“, sorgen die Substanzen im Speichel für einen schmerzfreien Saugakt. Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Speichels sind Hirudin, welches während des Saugens für eine gerinnungshemmende Wirkung zuständig ist. Das Calin, welches länger als Hirudin gerinnungshemmend wirkt und somit für die langandauernde Nachblutung verantwortlich ist. Die Hyaluronidase ermöglicht durch ihre schleimlösende Wirkung das Eindringen des Speichels in den Körper des Wirtes. Verschiedene Faktoren des Speichels Sorgen weiter für Gerinnungshemmung, Gefäßerweiterung (Lymphsystem) und Anästhesie. Viele Bestandteile des Blutegelspeichels sind bis heute nicht erforscht und ihre Wirkung somit umstritten, bzw. unbekannt.

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